Hightech-Kontaktlinse: Das Bild geht ins Auge – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Netzwelt

Hightech-Kontaktlinse

Das Bild geht ins Auge

University of Washington

Kontaktlinse der Zukunft: Bilder ohne Bildschirm sehen

US-Forschern ist es gelungen, eine Kontaktlinse zu bauen, die Bilder direkt ins Auge projiziert – und eines Tages herkömmliche Bildschirme ersetzen könnte. Noch allerdings liegen die Stärken der Technik auf anderem Gebiet.

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Forscher aus den USA und Finnland glauben, dem Traum vom Bildschirm im Auge einen Schritt nähergekommen zu sein. Erstmals sei es ihnen gelungen, eine elektronische Kontaktlinse, die ein Bild ins Auge ihres Trägers projizieren kann, zu entwickeln und erfolgreich zu testen. Die Technik könnte eines Tages Visionen, wie man sie aus Science-Fiction-Filmen wie „Terminator“ kennt, Wirklichkeit werden lassen. Das Fernziel ist es, dem Träger einer solchen Linse Computerinformationen direkt in sein Sichtfeld einzublenden.

Im „Journal of Micromechanics and Microengineering“ erklärt Babak Parviz von der University of Washington, der das Forschungsprojekt leitet, welche besonderen Herausforderungen die neue Technik mit sich bringt. Dabei sei es besonders schwierig gewesen, das optische System so zu gestalten, dass im Auge überhaupt ein scharfes Abbild dessen wahrgenommen werden kann, was von der Kontaktlinse projiziert wird.

Das Problem: Das menschliche Auge kann sich nur auf Objekte fokussieren, die wenigstens einige Zentimeter vom Auge entfernt sind. Als Lösung bedienten sich die Forscher einer zweiten Kontaktlinse in Form einer sogenannten Fresnel-Stufenlinse, die sie in die elektronische Linse integrierten. Mit dieser Konstruktion gelang es ihnen, den Fokus des erzeugten Bildes so zu verlagern, dass es korrekt auf der Netzhaut abgebildet wird.

Testfall Kaninchen

Mit derartigen Kontaktlinsen bekämen Begriffe wie Augmented Reality einen ganz neuen Stellenwert. Die Forscher schwärmen schon jetzt davon, Informationen, die bisher auf dem Bildschirm eines Mobilcomputers oder eines Smartphones angezeigt werden, ins Sichtfeld des Benutzers einzublenden. So wie es Smartphone-Apps schon heute tun, könnte man dem Nutzer mit dieser Technik ortsgebundene Informationen wie etwa Anwenderbewertungen des Cafés, vor dem man gerade steht, anzeigen. Eines Tages, so hofft Parviz, könnte es sogar möglich sein, über solche Linsen Filme oder Fotos zu betrachten.

Von dieser Zielvorstellung sind die Forscher mit ihrem aktuellen Modell allerdings noch weit entfernt. Dessen großer Fortschritt gegenüber früheren Prototypen ist, dass die Kontaktlinse tatsächlich funktioniert und elektronische Signale umwandeln kann. Vor allem aber feiern die Forscher den erfolgreichen Test im Tierversuch. Eingesetzt in die Augen eines Kaninchens, habe man weder Abschürfungen noch eine Erwärmung feststellen können.

Distanzprobleme

Trotzdem gibt es noch diverse Probleme zu lösen. So besteht die Kontaktlinse derzeit aus einem Kunststoff, der keine Luftzirkulation zulässt. Die Tragedauer ist deshalb auf wenige Minuten beschränkt, so lange man kein weicheres Material gefunden hat.

Ein weiteres Problem ist die Stromversorgung einer solchen Kontaktlinse. Da es nicht praktikabel wäre, Stromleitungen an das Auge zu verlegen, muss die Energieversorgung drahtlos per Induktion erfolgen. Im ersten Test funktionierte das auch sehr gut. Bis zu einen Meter konnte die Energiequelle von der Linse entfernt sein und dabei noch Strom übertragen. In das Auge des Versuchstieres eingesetzt, verringerte sich diese Distanz drastisch auf nur noch zwei Zentimeter. Ein Wert, der für den praktischen Einsatz viel zu gering wäre.

Alternative Anwendungen

Und schließlich haben die Forscher auch noch an der Auflösung ihres Im-Auge-Displays zu arbeiten. Der jetzt gezeigte Prototyp nämlich hat eine Auflösung von exakt einem Pixel. Anders gesagt: Er enthält eine einzige LED, die zum Leuchten gebracht werden kann. Viel zu wenig für sinnvolle Computeranwendungen. Aber doch genug dafür, dass sich die Hightech-Kontaktlinse für medizinische Anwendungen nutzen ließe.

Genau so etwas hat erst vor kurzem die Schweizer Firma Sensimed mit ihrem Triggerfish vorgestellt: Eine Kontaktlinse, die für Langzeitmessungen des Augeninnendrucks verwendet kann und deren Messdaten drahtlos ausgelesen werden. In solchen Anwendungen dürfte die nahe Zukunft der Hightech-Kontaktlinsen liegen. Mini-Bildschirme kann man später immer noch daraus machen.

mak

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